Expedition zur Ruinenstadt der Gründungsväter aus dem Zeitalter der Siedler-
Planet Rens; Region Heimatar; Sternzeit: 20080825



Was ist es, was wir suchen?



Was ist es, was wir ersehnen?



Was ist es, was wir uns zu finden erhoffen?




Ich kenne die Antwort nicht, aber wann immer mich Sorgen plagen und ich nachts keine Ruhe finde, dann blicke hinauf in
den Himmel und betrachte die Sterne.
Eigenartig nicht wahr?
Selbst nach zahllosen Jahrhunderten und Jahrtausenden, in denen die Menschheit nun schon zwischen den Sternen reist,
richtet sich mein hoffnungsvoller Blick immer noch zum Firmament.
Dabei sollte ich es doch eigentlich besser wissen.
40000 Jahren sind vergangen, seitdem die Menschheit diese Galaxis besiedelt hat, aber geändert hat sich nichts.
Der Weltraum ist kalt und tödlich, wie eh und je.
Verbissen wird um jeden Mond, Planeten und jedes Sternensystem gekämpft.
Noch immer beherrscht uns die Gier nach Profit und Macht und man ist bereit alles zu tun, was zum eigenen Vorteil gereicht.
Tag für Tag sterben die Menschen zu Tausenden, nur um in ihren kalten, schleimgefüllten Kammern wieder zu erwachen,
damit sie als Klon erneut einen grauenvolles Ende erleiden können.
Im Himmel herrscht die Hölle!
Und doch ertappe ich mich dabei, wie meine Augen hoffnungsvoll nach Oben blicken.

Nachdenklich schüttle ich den Kopf und blicke auf mein Lagerfeuer, das im Wettstreit mit den Sternen, diesen Platz erhellt.
Hier sitze ich nun und sinniere über das Schicksal unserer Welt, während die Überreste der uralten Ruinen unserer Gründungsväter
mir schweigend Gesellschaft leisten.

Seltsam, wie diese Ruhe mir unheilvoll in den Ohren klingt.
Nur der Wind heult einsam und klagend über die verkümmerten Mauern und sandigen Grashügel.
Ein verlorener Ort – eingerahmt von einem dunklen Ozean zur einen Seite und einem Gebirge mit hoch aufragenden Gipfeln auf
der anderen Seite.

Ein Ort, wo man statt Antworten, nur neue Fragen findet.

Hergekommen bin ich, weil ich erfahren wollte wo die Ursprünge sind - die Wurzeln der Menschheit und die Anfänge unserer
Corporation Ferox Aquila.

Ich kenne die Geschichten - aber ich verstehe sie nicht.
Ich weiß, dass wir alle, so verschieden wir auch sind, von der Erde stammen.
Aber was bedeutet das?
Ferox Aquila - wer ist das?
Wofür steht dieser Name?
Natürlich, der Name ist lateinisch. Übersetzt bedeutet er ‚Wilder Adler’.
Die Corporation wird mit Hilfe von Senatoren geleitet, die Offiziersränge tragen römische Bezeichnungen und unser Wappen zeigt
den römischen Adler.

Aber was Römer sind und für was sie stehen, dass weiß niemand von uns – die Bedeutung ist, sowie die Erde, für alle Zeit verloren gegangen.
Nur Legenden sind geblieben. Geschichten von einem sagenhaften Reich, das eintausend Jahre in Frieden regierte. Ein Reich ohne Krieg.
Ein Reich des Geistes und der kulturellen Entwicklung.

Eine schöne Vorstellung, zweifellos.
Dennoch frage ich mich was schief gegangen ist – ich frage mich, wieso dieses Paradies verloren ging.
Wieder blicke ich zu den Sternen empor und wieder scheinen sie mir verheißungsvoll entgegen.
Mir wird bewusst, dass die Sterne ihren Reiz nur in der Sicherheit meines kleinen Nachtlagers entfalten. Hier zeigen sie ihre schöne,
begehrliche Seite. Dort draußen verfliegt die Illusion und was hier unten wie funkelnde Diamanten schimmert, entpuppt sich dort oben
als lodernde, alles verzehrende Gebilde.

Wie schön wäre es, wenn man seine Heimstatt und Sicherheit mit sich nehmen könnte - mit nach dort draußen. Vielleicht wäre
dann der Weltraum weniger bedrohlich. Vielleicht…
Plötzlich erkenne ich, dass ich diese Heimstatt schon besitze – ja ein Teil von ihr bin.

Ferox Aquila - kein Ort im eigentlichen Sinn, aber eine Gruppe von Menschen, die wie eine Familie zusammenhält.
Vielleicht ist es das, was unser einstiger Gründer von Ferox Aquila hier, zwischen all diesen verloren Steinen, zu finden hoffte…
und vielleicht auch gefunden hat. Die Idee von einem Heim zwischen den Sternen.

Die Idee von einem neuen Reich.
Die Idee von einem neuen Paradies.
Eintausend Jahre Frieden – ein verwegener Gedanke!
Aber der Samen ist gesät und wer weiß, vielleicht wenn die Galaxis Frieden gefunden hat, dann geben uns die Sterne
möglicherweise die Antwort, die wir mit unseren Blicken bis zum heutigen Tag von ihnen erhoffen.

Ich schließe die Augen und bewahre diesen Gedanken in meiner Seele.
Der Wind pfeift über die sandigen Hügel und den verwitterten Steinen der Ruinen.
In der Ferne rauscht die Brandung des Meeres gegen den nächtlichen Strand und die Sterne wetteifern noch immer mit
dem wärmenden Licht meines Lagerfeuers.

Dann schlafe ich ein - im Herzen wissend, dass ich einsam, aber nicht verloren bin.


Auszug aus den persönlichen Aufzeichnungen von Ced Warren